Hypnos und Tyr in Norwegen
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TAG 1 - Juvalm






Nachdem wir am nächsten Tag erstmal die Formalitäten geklärt haben, lassen wir uns von der Mutter unserer Vermieterin den Weg zur hofeigenen Alm auf dem Berg erklären. Auch sie kann zumindest etwas deutsch. Aber mit einem Gemisch aus Schwedisch, Norwegisch und Deutsch können wir uns auch ganz gut miteinander unterhalten. Kurz vor Mittag machen wir uns auf den Weg. Wir schauen uns zuerst die schönen alten Gebäude an, die auf dem Hof stehen. Der Hof, auf dem wir unseren Urlaub verbringen wollen, heißt Juv, und ist einer der ältesten Höfe am Nordfjord (gegründet um 1200). Die Straße, an der der Hof liegt, ist gewissermaßen eine Sackgasse, denn sie endet etwa 4 km weiter in der kleinen Ortschaft Tistam.

Der Hof selbst liegt etwa 30 m über der Straße und ist über einen steilen Schotterweg in mehreren Serpentinen zu erreichen. Der nächstgrößere Ort ist Utvik, aber auch dieser ist, an deutschen Verhältnissen gemessen, nicht mehr als ein Kuhkaff. Die Gemeinde, in der wir wohnen ist die Stryn Kommune, direkt am größten Inlandgletscher Europas, dem Jostedalsbreen gelegen und ein bekanntes Skigebiet, in dem man auch im Sommer Skifahren kann. Juv ist ein recht großer Hof.Neben dem Wohnhaus, in dem die Besitzer Inga und Arne Berge wohnen, gibt es ein kleineres Sommerhaus mit Namen Stabburet, das ebenfalls als Ferienhaus vermietet wird. Das Haus, in dem wir wohnen, Gamlestova (alte Stube), ist, wie der Name schon sagt, das alte Wohnhaus, wurde etwa 1870 gebaut und ist noch ganz im Stil alter norwegischer Häuser gehalten, auch wenn es seitdem natürlich mehrmals modernisiert wurde.

Daneben steht ein alter Stall, der aber nur noch zur Lagerung von Feuerholz benutzt wird (wie jeder freie und überdachte Raum auf dem Hof). Außerdem gibt es auf dem Hof noch zwei Gebäude, die nicht hier gebaut wurden, sondern von anderswo hergebracht und auf Juv wieder aufgebaut wurden um bäuerliches Leben und Tradition zu zeigen. Sie heißen Eld- und Arbetshuset (wörtlich: Feuer- und Arbeitshaus). Das Haus, in dem wir wohnen, besitzt ein großes Wohnzimmer mit Kamin und Himmelbett, eine Küche mit allem möglichen Luxus, ein kleines Bad mit Dusche und oben unter dem Dach, zu erreichen über eine sehr steile Treppe (und nicht für größere Menschen geeignet) ein kleines Schlafzimmer, in dem Hypnos und ich schlafen.

Etwas abseits vom Hof kann man einen alten Schuppen mit allerlei uralten Gerätschaften entdecken. Auf unserem Weg hinauf zur Juvalm kommen wir dann noch an einem alten Kuhstall vorbei, der auch im Freilichtmuseum stehen könnte. Jaja, der Weg zur Juvalm…400 Höhenmeter hören sich ja nicht nach viel an, aber sie haben es in sich. Am Anfang windet sich der Pfad noch serpentinenartig den Berg hinauf, vorbei an vielen Wasserfällen aus Schmelzwasser. Es ist zwar schon Ende Mai, aber die Berge sind weit über 1000 m hoch und die Gipfel noch schneebedeckt. Wasserfälle sind toll! Und glasklar und eiskalt…toll! Irgendwann lassen wir die Wasserfälle hinter uns und es geht immer weiter bergauf. Bereits jetzt hat man eine atemberaubende Aussicht auf den unter uns liegenden Innvikfjord.

Doch es geht immer steiler bergauf, der Pfad wird immer schmaler und ist irgendwann zwischen den Blaubeersträuchern überhaupt nicht mehr auszumachen. Aber wir sind ja mutig und unerschrocken und gehen eben ohne Weg weiter bergauf. Und tatsächlich stoßen wir weiter oben wieder auf den Weg. Als wir schon denken, daß wir niemals die Berghütte erreichen werden, stoßen wir hinter einer Biegung ganz unvermittelt auf die Juvalm. Dort oben ist der Berg auf einer kleinen Fläche relativ flach und hier wurde schon vor langer Zeit eine Hütte errichtet. Die jetzigen Besitzer haben vor ein paar Jahren eine neue Hütte daneben gebaut. Es gibt auch eine Art Gipfelbuch, in das man sich eintragen kann, auch wenn der Gipfel noch längst nicht erreicht ist (also wohl eher ein Hüttenbuch).

Unsere Vermieterin ist später ganz erstaunt, dass wir schon am ersten Tag zur Almhütte gewandert sind, denn sie hat unsere Einträge im Buch gesehen. Wir jedenfalls genießen erstmal die Aussicht von hier oben und den Wasserfall, der neben der Hütte zum Fjord herabrauscht. Leider können wir das alles nur kurz genießen, denn dann setzt wieder Regen ein. Und da wir mindestens eine Stunde für den Abstieg brauchen werden, gehen wir wieder los. Den Rest des verregneten Tages verbringen wir dann in unserem Haus mit lesen und DVD-Gucken. Im norwegischen Fernsehen sehen wir dann, daß Lordi den Eurovision Song Contest gewonnen haben. Und ich hätte doch wetten sollen….







Bericht: Tyr
Photos: Tyr