Hypnos und Tyr in Norwegen
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Die Anreise






Alles beginnt an einem Samstagnachmittag. Wir freuen uns schon auf die Abfahrt (also ich, Hypnos ist genervt). Da ruft unsere Mitfahrerin an und fragt, wieviel Gepäck wir hätten. Das Auto sei schon voll. Wie kann man denn bitte mit zwei Leuten einen Kombi vollpacken? Sie will dann noch einen Dachgepäckträger draufpacken. Ich sage dann nur noch: "Laß das Ding unten, wir kriegen das schon rein." Wozu ist man denn festivalerfahren? Naja, die beiden sind aber auch wirklich ausgerüstet... Aber natürlich haben wir alles reinbekommen.

Bei strömendem Regen fahren wir los. Kurz nach unserer Abfahrt zieht ein Unwetter über das Saarland. Davon bekommen wir aber nichts mehr mit, denn wir sind längst auf dem Weg in den sonnigen Norden. Leider ist das Wetter im Moment jedoch alles andere als sonnig. Die Fahrt nach Dänemark verläuft recht ereignislos. Aber Autofahren in Dänemark ist toll! In Fredrikshavn kommen wir mehr als rechtzeitig an, so daß wir noch etwas warten müssen, bis unsere Fähre um 7:00 Uhr ankommt. Für die Tagesüberfahrt haben wir keine Kabinen gebucht. So versuchen wir dann, auf einer Couch wenigstens etwas zu schlafen. Ich schaffe auch eine ganze Stunde. Es dürfte so 16:00 Uhr sein, als wir endlich den Oslofjord erreichen. Wir sind ziemlich enttäuscht, da es auch in Norwegen in Strömen regnet…aber wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Und der Oslofjord ist auch bei Regen sehr schön. In Oslo angekommen, müssen wir uns erstmal durch nicht beschilderte Straßen und Baustellen wühlen (im Zweifelsfall hilft dann doch das Lemming-Prinzip) bevor wir glücklich aus der Stadt finden. Hinter der Olympiastadt Lillehammer, in der wir leider keinen Zwischenstop machen, hört der Verkehr allmählich auf und Autofahren macht richtig Spaß. Vorrausgesetzt, man ist bereit, maximal 90 Sachen zu fahren.

Wir haben auf jeden Fall noch viel Zeit, und als auf einem Schild eine Stabkirche angekündigt wird, schlage ich vor, daß wir doch spontan mal dort vorbeischauen könnten. Doch für unsere Mitfahrer ist Spontaneität offenbar ein Verbrechen. Mir werden Argumente wie „Wer weiß, wie weit das ist…“ (laut Schild 1 km und die norwegische Beschilderung ist sehr genau) und „Es wird ja auch bald dunkel“ (in Norwegen, um 20:00 Uhr abends Ende Mai…sicher) an den Kopf geworfen. Leider sitze ich da gerade nicht am Steuer, sonst wär’ ich einfach hingefahren. Und so, ich nehme es jetzt hier einfach mal vorweg, haben wir keine einzige Stabkirche gesehen. Falls hier jemand auf Bilder von Stabkirchen hofft.

Kurz nach Mitternacht machen wir auf dem Strynefjell Rast. Es wird gar nicht richtig dunkel und in diesem Dämmerlicht sieht die Landschaft richtig unwirklich aus. Sehr real ist jedoch die Lufttemperatur. 1°C bringt uns doch sehr zum Zittern, so daß wir bald weiterfahren.

In einem letzten Kraftakt fahre ich dann wieder das letzte Stück durch die atemberaubend schöne Landschaft des Strynefjells. Die letzte halbe Stunde fahren wir am Nordfjord entlang, bis wir zu unserem Ferienhaus kommen. Dort geht es einen ziemlich steilen Schotterweg hoch zum Hof. Den müssen wir dann auch die ganzen zwei Wochen jeden Tag mehrmals hoch laufen, weil unsere Mitfahrer der Meinung sind, daß man da unmöglich mit dem Auto hochfahren kann. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht bei dem leckeren Essen, das Hypnos immer kocht. Wir kommen um ca. 3 Uhr nachts an. Theoretisch hätten wir erst um 16:00 in die Hütte gedurft, ab unsere Vermieter sind sehr nett, und sagten, daß wir ruhig auch mitten in der Nacht kommen könnten, sie würden dann den Schlüssel von außen ins Schloß stecken. Als wir ankommen, steckt aber kein Schlüssel im Schloß. Wir laufen ein paarmal ums Haus, sehen an den üblichen Norweger-Verstecken nach und gehen sogar in den Keller. Aber nirgendwo ist ein Schlüssel zu sehen. Da stehen wir nun, wie bestellt und nicht abgeholt.

Ich hatte unserer Vermieterin auch noch extra eine Email geschrieben, in der stand, wann wir ungefähr ankommen. Da es kurz nach 3:00 Uhr ist, können wir ja auch nicht klingeln. Gerade, als wir uns damit abgefunden haben, daß wir die Nacht wohl im Auto verbringen müssen, öffnet sich über uns ein Fenster. Unsere Vermieterin Frau Leite schaut heraus und ist ganz erstaunt, uns jetzt schon zu sehen. Sie hatte meine Email nämlich nicht bekommen. Warum auch immer. Ich bekomme schlagartig ein schlechtes Gewissen, weil wir sie geweckt haben. Aber sie meint, daß sie sowieso bald hätte aufstehen müssen, weil sie noch zur Arbeit fahren muß. Und das sind über 100 km. Frau Leite spricht sehr gut deutsch und zeigt uns dann mitten in der Nacht das Haus, in dem wir die nächsten 10 Tage verbringen wollen. Die Formalitäten sollen wir dann am nächsten Morgen mit ihrer Mutter klären. Frau Leite erzählt uns, daß das Haus ihr nach norwegischem Recht nur gehören darf, wenn sie mindestens die Hälfte des Jahres darin wohnt. Deshalb wohnt sie dort, wenn das Haus nicht vermietet ist. Ansonsten lebt sie ziemlich mittig zwischen dem Hof und der eigentlichen Küste. Nachdem dann alles soweit geklärt ist, fallen wir nach fast 36-stündiger Anreise todmüde in die Betten und schlafen uns erstmal richtig aus.







Bericht: Tyr
Photos: Tyr