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KaosKrew::Bericht: Hypnos und Tyr in Norwegen: Tag 3 - Briksdalsbreen













Hypnos und Tyr in Norwegen
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Tag 3 - Briksdalsbreen






Als wir am nächsten Tag aufwachen, lacht uns schon die Sonne durch die Fenster entgegen. Da kann ich einem kleinen Morgenspaziergang einfach nicht widerstehen. Dabei treffe ich auf einige Schafe, Bachstelzen, die überhaupt nicht scheu sind, und sehe viele Wasserfälle, in denen das Schmelzwasser zum Fjord rauscht. In einer schönen Gegend wohnen wir hier!

Nach dem Frühstück machen wir uns dann auf den Weg ins Oldedal, um einen Gletscher aus der Nähe zu sehen, nachdem wir uns gestern ja schon in der Theorie gebildet haben. Dazu müssen wir mehrere Kilometer am Ufer des Fjords entlangfahren. Das kann zuweilen recht lustig werden, denn die Straßen sind sehr schmal und nur alle 500 bis 1000 m gibt es eine Ausweichbucht. Bei PKWs ist das alles noch ganz ok, richtig spaßig wird es bei LKWs…da wird dann auf der Hauptverkehrsstraße so lange rumrangiert, bis alle aneinander vorbei sind…zum Glück gibt es in Norwegen nicht so viele Autos wie bei uns. Trotzdem macht Autofahren in Norwegen einfach nur Spaß. Wir passieren Stryn, den Hauptort unserer Gemeinde und fahren weiter nach Olden, wo wir ins Oldedal abbiegen.

In Olden legen sehr viele Kreuzfahrtsschiffe an, daher wimmelt es hier nur so vor Touristen, was wirklich sehr nervig ist. Gleich hinter Olden beginnt das als „wildromantisch“ angepriesene Oldedal, das mit seinen drei spiegelglatten Seen und den hochaufragenden Bergen auch in den Alpen liegen könnte. Aus dem Tal gibt es nur diesen einen Ausgang und es endet am Jostedalsbreen, dem größten Festlandgletscher Europas. In früheren Zeiten war der Gletscher daher auch Verbindungsweg; über ihn wurde Vieh in die Nachbardörfer getrieben und gingen die Menschen in die Kirche. Es gibt verschiedene Gletscherarme, die man besuchen kann; wir entscheiden uns für den Briksdalbreen. Mit dem Auto kann man relativ nahe an den Gletscher heran fahren und dann auf einem schönen, baumbestandenen Parkplatz parken. Natürlich mit Parkgebühr, aber die ist sogar für deutsche Verhältnisse recht günstig.

Von jetzt an heißt es klettern! Zunächst vom Parkplatz zum unvermeidlichen Souvenirladen, von dem man sich auch zum eigentlichen Gletscher kutschieren lassen kann. Wir wählen die billigere Variante und machen uns per pedes auf den Weg zum Eis. Eine wirklich schöne Wanderung im strahlenden Sonnenschein: rechts und links erheben sich steil die Hänge des Briksdals, das der Gletscher über Jahrtausende geformt hat. Neben dem Weg rauscht der gräulich-weiße, eiskalte Gletscherbach. Vor uns können wir bereits den Gletscher erkennen, hinter uns am gegenüberliegenden Berg stürzt Schmelzwasser 100 m in die Tiefe. Rechts oben ist ein weiterer Gletscherarm zu sehen, der in der warmen Frühlingssonne verdampft.

Der Weg selbst ist sehr informativ gestaltet, an markanten Punkten stehen Hinweisschilder, die in mehreren Sprachen auf Besonderheiten aufmerksam machen, z.B. auf den weitesten Vorstoß des Eises seit Menschengedenken, oder vom Eis glattgeschliffene Felsen. An der steilsten Stelle passiert der Weg den Kleivafossen, einem Wasserfall, bei dem sich der Gletscherfluß mit Macht durch eine kleine Lücke im Gestein zwängt und förmlich aus den Felsen zu schießen scheint. In seiner Gicht bilden sich Regenbogen, wenn sich das Sonnenlicht darin bricht. Hier haben wir auch unsere Begegnung der dritten Art mit einer Gruppe überaus fröhlicher Japaner, die sich singend und klatschend vom Gletscher zurück ins Tal fahren lassen. Der leidende Gesichtsausdruck der Fahrerin („Bitte, holt mich hier raus!!!“) war einfach zum Schießen.

Bald darauf passieren wir die Grenze des Jostedalsbreen Nasjonalpark und nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch endlich am Gletscherfuß angekommen, haben wir auch gleich unsere nächste Begegnung der besonderen Art mit fremden Nationen und unerforschten Kulturen…“C’est frois?“ „Ah, oui oui, c’est glacier!“ Grundlegende physikalische Kenntnisse sind offenbar noch nicht bis nach Frankreich vorgedrungen…

Der Gletscher ist, obwohl er eher ein kleineres Exemplar ist, sehr beeindruckend. Zerrissen und von großen Spalten durchzogen wälzt er sich den Steilhang herab, während direkt daneben die Birken grünen. Große Stücke sind abgebrochen und schwimmen im Gletscherbach. Das Eis zeigt alle möglichen Farbschattierungen von schmutziggrau über strahlend weiß hin zu geheimnisvoll blau leuchtend. Wirklich sehr beeindruckend.

Leute mit etwas mehr Kleingeld in der Tasche können auch geführte Klettertouren auf dem Gletscher machen. Wie unsere Vermieterin uns mitteilte, ist aber besser, vorher einen Termin auszumachen, anstatt spontan klettern zu wollen.

Nachdem wir alle wenigstens mal auf dem Gletscher gestanden haben und uns die Finger an Gletscher und eiskaltem Wasser abgefroren haben, machen wir uns wieder auf den Rückweg.

In Olden kaufen wir dann noch Vorräte für die nächsten Tage ein, und Hypnos wird für einen Norweger gehalten und von einem Deutschen auf norwegisch angesprochen, was ihn völlig aus der Fassung bringt. Dabei wollte der gute Mann doch nur wissen, was Meerrettich auf Norwegisch heißt. Diese Vokabel kann natürlich jeder aus dem Ärmel schütteln (pepperrot). Gefunden haben wir auch keinen, aber in Schweden soll es angeblich welchen geben(?)…Wir ließen ihn dann irgendwann allein mit seinem Leid und zogen von dannen.







Bericht: Tyr
Photos: Tyr