|
Hypnos und Tyr in Norwegen
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
11
Tag 6 – Trondhjemske Postvei
Heute haben wir vor, einen Abschnitt des Trondhjemske Postvei, des Trondheimer Postweges abzugehen. Dieser alte Weg führt bis nach Trondheim und wurde früher, wie der Name schon sagt, zum Transport von Post benutzt. Dabei wurde der Weg immer weiter ausgebaut, zunächst für Postkutschen, später dann für Autos. Nur noch an wenigen Stellen ist der ursprüngliche Weg erhalten geblieben. Unter anderem eben auch hier bei Utvik. Als Wanderweg ist dieser Weg ja sehr schön, aber Post darüber zu transportieren war sicher alles andere als ein Zuckerschlecken.
|
 |
 |
Wir genießen jedenfalls die Vorzüge der modernen Welt und fahren erstmal ein gutes Stück mit dem Auto bergauf, bevor wir per pedes weitergehen. Wie wir bald feststellen, war das eine sehr gute Idee, denn der Berg ist zu Beginn wirklich sehr steil. Dafür dürfen wir aber auch eine wunderschöne Aussicht bei herrlichstem Sonnenschein genießen. Der Blick auf den blauen Innvikfjord und die weißen Berge im Hintergrund entschädigt uns für die Strapazen. Auch sehr interessant: Während unten am Fjord alles grünt und blüht, haben die Bäume hier oben gerade mal begonnen, ihre Knospen zu öffnen und an vielen Stellen liegt noch Schnee.
|
Als wir endlich die höchste Stelle des Weges erreicht haben erwartet uns dort eine gänzlich andere Landschaft. Hier oben herrschen Sumpf und Moor vor. Abseits des Weges ist Gehen unmöglich, weil man sofort in irgendwelchen feuchten Löchern versinkt. In jeder noch so kleinen Pfütze haben Frösche ihren Laich abgelegt und an einem Teich flattern braune Vögel herum, die ominöse Laute von sich geben…sehr idyllisch, wäre da nicht der Skilift, der uns zu verstehen gibt, daß wir uns hier im Skigebiet der Gegend befinden. Endlich erreichen wir die Paßstraße, die wir sonst mit dem Auto befahren. Da auf der Paßhöhe ein Rastplatz angelegt ist, nutzen auch wir die Gelegenheit für eine kurze Pause.
|
 |
 |
Danach haben wir eine Meinungsverschiedenheit, wie der Weg jetzt weitergeht. Meiner Meinung nach geht es von nun an bergab, unsere Mitfahrerin behauptet, es geht nach rechts oben. Natürlich hatte ich recht und natürlich gehen wir nach rechts. Wahr ja klar. Aber so schlecht war das dann doch nicht, doch dazu später mehr. Zunächst einmal geht es weiter bergauf. Zwar nicht mehr so steil, aber immer weiter hoch. Wir lassen die Sümpfe hinter uns und auch die Bäume stehen nur noch vereinzelt. Wir kommen an einigen alten Gebäuden vorbei, und da sehen wir sie: Rentiere!
|
Echte, frei umher laufende Rentiere. Vielleicht sogar wilde, denn wir sehen keinerlei Markierung an ihnen und wir sind nur wenige Kilometer von den Gegenden entfernt, wo die letzten freien Rentiere Mittel- und Südnorwegens leben. Allerdings sind sie nicht besonders scheu. Das könnte aber auch daran liegen, daß der Weg, den wir jetzt gehen, offenbar ein beliebter Wanderweg ist, den vielen Menschen, die uns begegnen, nach zu urteilen.
|
 |
 |
Wir lassen auch die Rentiere hinter uns und wandern immer weiter, bis wir die höchste Stelle des Weges erreicht haben. Von dort sieht man bis weit ins Tal, wir sehen drei verschiedene Seen, darunter den Breimsvatnet und den Ort Birkjelo, durch den wir in den letzten Tagen desöfteren durchgefahren sind. Wir haben eine atemberaubende Aussicht auf die Landschaft, die hier stark an die Alpen erinnert. Es gibt hier oben auch eine kleine Ansammlung Ferienhäuser. Im Sommer muß es hier wunderschön sein.
|
Mittlerweile sind wir schon viele Stunden auf den Beinen und machen uns daher auf den Rückweg. Der ist eher ereignislos, da wir den gleichen Weg zurückgehen, den wir gekommen sind. Die Rentiere sehen wir auch noch einmal kurz. Nach über 8 Stunden kommen wir endlich wieder am Auto an. Hölle, hab ich mir Blasen gelaufen…aber es war trotzdem einer der schönsten Tage in diesem Urlaub.
|
 |
|