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KaosKrew::book Reviews














Andrée, Salomon August:

Mit dem Ballon dem Pol entgegen




Erschienen 2002 bei K. Thienemann Verlag Stuttgart

ISBN: 3-522-60043-6

Originaltitel:
""

Übersetzer/in:

Genre: Reisebericht


Als Autor wird zwar Salomon August Andrée aufgeführt, doch dies stimmt nur zum Teil. Das Buch ist im Grunde eine Ansammlung verschiedener Schreiber. Zum einen natürlich Salomon Andrée selbst. Ob dieser je beabsichtigte, die Beschreibung seiner Nordpolexpedition als Buch zu veröffentlichen, weiß ich nicht. Hier finden sich die Aufzeichnungen, die er in seinem Tagebuch machte. Daneben finden sich die Tagebucheinträge seines Mitfahrers Nils Strindberg sowie teilweise dessen Briefe an seine Verlobte Anna. Ferner finden sich diverse Texte zeitgenössischer Journalisten sowie Anmerkungen des Herausgebers Detlef Brennecke.

Das Buch beschreibt die abenteuerliche Fahrt von Salomon August Andrée und seinen beiden Begleitern Nils Strindberg und Knut Frænkel in einem Ballon zum Nordpol – im Jahr 1897. Damit waren sie die ersten, die auf diesem Weg versuchten, an den bis dahin unerreichten Pol zu gelangen.

Die Geschichte selbst ist ziemlich spannend, insbesondere wenn man die Tagebuchaufzeichnungen der Expeditionsteilnehmer liest. Kommen jedoch andere zu Wort, so ist oft nicht sofort klar, wer denn jetzt überhaupt schreibt. Auch wird der zeitgenössische Journalist nie mit Namen genannt. Ebenso fehlen andere Namensangaben bzw. es wird vorausgesetzt, daß man Namen und familiäre Verhältnisse der Expeditionsteilnehmer kennt. Hier hätte man ruhig etwas ausführlicher sein können.

Ausführlich ist man jedoch bei der wissenschaftlichen Darstellung. Neben der eigentlichen Erzählung sind die genauen Übersetzungen der Tagebücher (inklusiver der nicht mehr leserlichen Stellen) abgedruckt, ferner Packlisten, Zeichnungen, Reisedaten, die Lebensdaten des Initiators Andrée sowie zeitgenössische Karikaturen und Hinweise auf weiterführende Literatur. Letztere ist besonders interessant, da jeweils noch angegeben ist, wie und für wenn diese sinnvoll ist.

Aufgelockert wird der Text durch Photos, teilweise von den Expeditionsmitgliedern selbst geschossen, und Zeichnungen. Ein spannend zu lesendes Buch, allerdings sollte man schon einige Vorkenntnisse über die Geschichte mitbringen, um wirklich zu verstehen, um was es geht.


Der Ingenieur Salomon August Andrée entwickelt die Idee, mit einem Ballon zum Nordpol zu fahren. Zuvor sind viele Expeditionen zu Fuß, mit Schlittenhunden und mit Schiffen gescheitert. Warum also nicht einfach mit dem Ballon über all die Schwierigkeiten hinwegschweben, die sich den anderen in den Weg stellen?

Doch dies ist einfacher gesagt als getan. Zunächst müssen Geldgeber, Förderer und andere Wissenschaftler überzeugt werden, daß dies überhaupt funktioniert. Immerhin ist die Fähigkeit des Menschen zu Fliegen erst wenige Jahre alt.

Andrée schafft es, Sponsoren und Expeditionsteilnehmer zu finden und obwohl ihm viele Menschen, unter anderem der Hersteller seines Ballons, von dem Vorhaben abraten, bereitet er die Fahrt für 1896 vor. Er selbst hat mehr theoretische denn praktische Kenntnisse im Ballonfahren und auch seine Mitfahrer sind da nicht weiter. Gestartet werden soll von Spitzbergen aus. Doch in diesem Jahr sind die Bedingungen so schlecht, daß man den Start auf das nächste Jahr verschiebt. Vilhelm Svedenborg springt ab und für ihn tritt Knut Frænkel in das Team ein.

Am 11.07.1897 ist es dann endlich soweit: Das Team statt mit Örnen, dem Adler, wie der Ballon getauft wird, Richtung Nordpol. Doch schon beim Start passieren die ersten Pannen. Der „Adler“ verliert die Schlepptaue, mit denen die Flughöhe gesteuert werden sollte und der Korb taucht ins Meer ein. Dennoch kann die Fahrt fortgesetzt werden.

Doch schon nach wenigen Tagen findet diese ein Ende. Man ist noch weit entfernt vom Nordpol. Ja, man muß sogar deprimiert feststellen, daß man noch nichteinmal so weit nach Norden vorgedrungen ist wie der norwegische Konkurrent Fridtjof Nansen. Den Dreien bleibt nichts anderes übrig als zu versuchen, zu Fuß eines der für sie eingerichteten Proviantlager zu erreichen.

Doch das ist leichter gesagt als getan. Die weiten Eisflächen sind längst nicht so eben wie sie von oben aussehen. Zerfurchtes, unebenes Gelände wechselt sich ab mit von vielen Rinnen durchzogenem Eis, immer wieder muß über die Rinnen übergesetzt werden und das mitsamt den über 200 kg schweren Schlitten, die jeder der drei zieht.

Die Freunde entschließen sich, einen Teil der Ausrüstung auf dem Eis zurückzulassen, um schneller vorwärts zu kommen. Trotzdem schafft man täglich nur wenige Kilometer und die Eisdrift treibt sie in die falsche Richtung, so daß sie sich schließlich entschließen, ein anderes Proviantlager anzupeilen. Das Essen wird knapp und sie ernähren sich von erlegten Eisbären, Robben, Seevögeln und Algen.

Nach mehreren Wochen unermüdlichen Wanderns erreichen sie Vitö, die Weiße Insel, auf der sie ihr Winterquartier aufschlagen. Doch sie werden die Insel niemals mehr verlassen. Strindberg stirbt zuerst, er wird von den anderen beiden notdürftig beerdigt, bevor auch sie sterben. Die genaue Todesursache kann nie festgestellt werden.

Dreißig Jahre später werden ihre Leichen von einem norwegischen Robbenfangschiff entdeckt und nach Schweden überführt, wo sie als Volkshelden gefeiert werden und mit allen Ehren bestattet werden. Strindbergs Verlobte lebt zu diesem Zeitpunkt noch, ist mittlerweile jedoch wieder verheiratet. Ihre erste Liebe hat sie jedoch nie vergessen.

Andrée, Strindberg und Frænkel waren ihrer Zeit voraus. Sie waren Visionäre, die etwas versuchten, was erst 100 Jahre später gelang. Mutig waren sie die ersten. Und sie hinterließen mit ihren Tagebüchern höchst interessante und auch amüsante Aufzeichnungen. Und doch waren sie wieder ernst und voll Stolz. Der wohl markanteste Satz findet sich in Andrées Tagebuch: „Wir finden, daß wir getrost sterben können, nachdem wir das geleistet haben.“


     [7 von 10] Autor: Tyr (26.09.2008)




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